Das Abendglöcklein hört ich klingen,
Bald klang es leis, bald klang es laut.
Galts eines Herzens letztem Ringen?
Galts einer myrtenschmucken Braut?
Im Klange sprach ein leises Mahnen:
So tönet voll beglückter Pein,
So muss das schwärmerische Ahnen
Der Liebe sein!
Es summte auf dem Blumengrunde,
Es trank aus einem Honigkrug
Das Bienchen mit dem süßen Munde,
Das heimlich doch den Stachel trug.
Im Summen sprach ein leises Mahnen:
So sticht voll Lust, so sticht voll Pein,
So muss das schwärmerische Ahnen
Der Liebe sein!
Die Nachtigall vernahm ich schlagen,
So freudiglich, so wehmutsvoll,
Als ob ihr bei des Liedes Klagen
Die Träne aus dem Auge quoll!
Im Liede sprach ein leises Mahnen:
So tönt in Lust, so tönt in Pein
So muss das schwärmerische Ahnen
Der Liebe sein!
Ach, und des Abendglöckleins Klagen,
Dies Bienensummen fern und nah,
Und dieses Nachtigallenschlagen
Vernahm ich, als ich dich ersah.
Erst rauschten wirr die Klänge alle,
Bald wehmutsvoll, bald freudiglich
Und starben dann in einem Halle:
Ich liebe dich!